Besucht man in Japan die Parks und traditionellen Gärten, meint man, ein Maler hätte mit filigranem Pinsel und Farben die Landschaft gemalt. Alle japanischen Gärten strahlen eine Atmosphäre der Ruhe und absoluter Vollkommen- und Schönheit aus und sollen die Elemente der Natur wiedergeben. Die japanischen Gärten untergliedern sich in drei Gruppen: Hügel-Gärten (Tsukiyama), trockene bzw. Zen-Gärten (Kare-san-sui) und Tee-Gärten (Chaniwa). Bei allen Gartenstilen und –elementen ist die dominierende Farbe „grün“. Wurde der Garten angelegt, werden keinerlei pflanzlichen Veränderungen mehr vorgenommen, so dass in keinem japanischen Garten einjährigen Pflanzen zu finden sind.
Geschichte der Gaartenkunst
Die Ursprünge der japanischen Gartenkunst liegen um 612, als der Koreaner Shikomaro in Japan erfolgreich erste Gärten gestaltete. Die Ursprünge liegen in der chinesischen Gartenkunst, das beweisen auch die chinesischen Gärten in Nara (Nara-Zeit 7010-794). Auch während der Heian-Zeit (794-1185) standen die japanischen Gärten noch unter dem Gestaltungseinfluss der chinesischen Gartenkunst, eine Landschaftsmalerei wo Gebäuden, Wege, Erde, Wasser, Himmel, Steine und Pflanzen (7 Dinge) eine Symbiose bilden und das Werden und Gehen sowie die Jahreszeiten dokumentiert sind. Die religiöse Bedeutung der Gartengestaltung, so wie es in China der Fall war, fand in Japan keine Beachtung – sie waren bunt und sollten zum Spazierengehen einladen. Nachdem im im 10. Jahrhundert die Beziehungen zu China abbrachen, übernahm der erste Shogun Minamoto no Yoritomo (1147-1199) (Kamaruka-Zeit 1185-1333) selbst den Gartenbau am Kloster Kamakura – der Shoin-Stil (Asymentrie, Kleinteiligkeit) entwickelte sich. Die Muromachi-Zeit (1333–1568) prägte die Zen-Ästhetik, ein besonderes Beispiel ist der Steingarten des Ryoanji-Tempels in Kyoto. Die japanischen Gärten aus der Azu-Momoyama-Zeit (1573-1600) sind opulenter. Die Entwicklung der Aquarell-Malerei verlieh der Gartenkunst neue Impulse – die Gärten sollten sich wie ein Bild in die Landschaft einfügen und einen bestimmten Raumeindruck schaffen. Die während der Edo-Zeit (1600 1867) angelegten Gärten fügen sich in das Landschaftsbild ein, durch optische Effekte wirken die Gärten mitunter größer, als ihre eigentliche Fläche. Beispiele dafür sind die japanischen Gärten von Tenryū-ji (im Nordwesten von Kyoto), Saihō-ji (Kyoto), Ginkaku-ji (Silberner Pavillon, Kyoto) und Kinkaku-ji (Goldener Pavillon, Kyoto). Durch die Öffnung Japans 1853 (Meji-Zeit 1868-1911) lassen sich Einflüsse aus dem Ausland nicht verhindern – die wirtschaftliche Entwicklung und Industrialisierung steht eher im Mittelpunkt als die weitere Gestaltung der japanischen Gärten. Heute ist das Interesse an japanischen Gärten weltweit groß, auch in Deutschland gibt es zahlreiche japanische Gärten (z.B. in Kaiserslautern, Leverkusen, Erfurt, Würzburg und Berlin).
Japanische Gärten und ihre Stile
Hügel-, Paradies-Gärten (Tsukiyama)
Im Tsukiyama-Garten werden viele Elemente verwandt, um eine Landschaft mit grünen Hügeln, Teichen, Bachläufen und Wasserfällen zu gestalten. Beim Arrangieren der einzelnen Elemente wird darauf geachtet, dass der Besucher die Landschaft nicht mit einem Blick erfassen kann sondern, dass sich beim Gehen durch den Garten immer wieder neu Perspektiven Blickwinkel eröffnen. Bei der Bepflanzung kommen mehrjährige, langsam wachsende Pflanzen (Moose, Farne, Bodendecker, Rotkiefern, Bambus, Ahorn, Azaleen usw.) zum Einsatz. Der Garten wird mit Accessoires (Brücken, Bänke, Laternen) dekoriert, um ein schönes lebendes „Landschaftsgemälde“ zu erhalten. Die japanischen Gärten Kenroku-en in Kanazawa (Region Hokuriku – Westküste, Honshu), Kōraku-en in Okayama (Region Chūgoku, Honshu) und Kairaku-en in Mito (Region Kantō, Honshu ) gehören zu den drei schönsten Gärten in Japan.
Trocken- bzw. Zen-Gärten (Kare-san-sui)
Zen-Gärten gehen auf den Zen-Buddhismus zurück, sie sind die ältesten Gärten, die ursprünglich zur Meditationsunterstützung der Mönche in der Nähe der Tempel angelegt wurden. Dabei wurde auf Wasser und Pflanzen bewusst verzichtet – sie basieren auf Yin und Yang (Taoismus, Gleichgewicht und Harmonie). Hier spielen die Steine, Sand und Felsen eine besonders wichtige Rolle. Während der einzelnen geschichtlichen Epochen wurden die Zen-Gärten unterschiedlich gestaltet, wobei immer die Philosophie und Funktionalität eine Rolle spielte. Der Kies wird durch die buddhistischen Mönche immer wieder neu zu einem bestimmten Muster gerecht. Der Zen-Garten symbolisiert den Idealzustand des Geistes: ruhig, geordnet, einfach, unkompliziert. Am Ryoanji-Tempel (Tempel des zur Ruhe gekommenen Drachen) in Kyoto befindet sich der bekannteste Zen-Garten Japans.
Tee-Gärten (Chaniwa)
Diese Gestaltungsform japanischer Gärten hatte im 14. Jahrhundert, mit der Einführung der Tee-Zeremonie durch die Zen-Mönche, ihren Anfang. Diese Gartenform hat eine rituelle Funktion, die durch Atmosphäre der Abgeschiedenheit von der „äußeren“ Welt und der Einsamkeit seinen Ausdruck findet, damit die Teetrinker Ruhe und Entspannung finden können. Im Zentrum jedes Tee-Gartens steht, in einfacher Konstruktion, das Tee-Haus. Elemente des Tee-Gartens sind: Wasser, Steine, Sand, Bonsai, Steinlaternen, Wartebänke, Wassersteine bzw. Steinbrunnen zur Reinigung sowie das Tor, durch das man den Tee-Garten betritt. Das Tor symbolisiert, dass die Welt bzw. das Weltliche außerhalb bzw. zurück bleibt. Nicht alle Tee-Gärten Japans sind öffentlich zugängig.
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