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Die rituelle japanische Teezeremonie

Gepostet von Gaijin am Mai 14, 2011 in Japanische Kultur

Japanische TeezeremonieDie Japaner pflegen eine enge Verbundenheit mit dem Tee, indem sie die Teezeremonie „zelebrieren“. Man nennt es auch Chanoyu – „Heißes Wasser für den Tee“ – jedoch ist die Zeremonie mehr als nur heißes Wasser über den Tee gießen; hier geht es um Riten und Meditation, um absolute Ruhe, Harmonie, Respekt und Gelassenheit.

Geschichte der japanischen Teezeremonie

Unter der Herrschaft des Kronprinzen und Regenten Shōtoku (574-622) reisten viele Japaner nach Korea und China, um sich über die Lehren des Buddhismus zu informieren und diese zu studieren. So brachten sie auch den Tee aus diesen Ländern mit, so dass in Japan der erste Tee, während der Nara-Zeit (710-794), von buddhistischen Mönchen als Medizin in den Klöstern getrunken wurde. Auch der Kaiser Shōmu (701-756) bewirtete seine Gäste mit Tee. In der Heian-Zeit (794-1192) tranken immer mehr Japaner Tee. Die erste Tee-Zeremonie geht auf den buddhistischen Mönch Saichō (767-822), der als Gründer von Tendai-shū (806) bekannt ist, zurück. In der Zeit des 10. bis 12. Jahrhunderts fanden keine Teezeremonien statt, bis der Zen-Meister Musō Soseki (1275-1351, auch als Musō Kokushi bekannt, die japanische Teezeremonie wieder einführte – er gilt als der Begründer der Teezeremonie. Der buddhistische Abt Shogu und sein Herr Shōgun Yoshimasa erfanden das feine Ritual der japanischen Teezeremonie, er legte die Norm für die Größe des Teepavillons (ca. drei mal drei Meter), die zu verwendenden Gegenstände, den Ablaufes und die Form des Trinkens. Das Teetrinken wird zur religiösen Zeremonie erhoben, zu dem u.a. das Abbrennen von Weihrauch und das Gongschlagen gehören. Bei den Zeremonien wurde Tee aus Fukuoka-shi (Stadt Insel Kyūshū im Süden Japans) verwendet – der erste Tee, der aus China kam, wurde in Uji (Kyoto) angebaut, heute noch sind diese Anpflanzungen vorhanden. Im 14. Jahrhundert hatte sich die Teezeremonie in allen Kasten und Schichten durchgesetzt – sie gehört fortan zur Kultur Japans. Das erste klassische Teehaus entstanden unter Sen no Rikyū (1522 1591), der in Japan wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Teezeremonie hatte, in Higashiyama-ku (Kyoto).

Das Teehaus und der Ablauf der Zeremonie

Das ideale Teehaus (Sukiya) ist klein und befindet sich in einem Tee-Garten. Der Weg zum Teehaus ist mit Wartebänken versehen und ein Wasserstein dient dazu, dass sich die Gäste vor Eintritt in das Teehaus die Hände reinigen und den Mund ausspülen. Die Teezeremonie beginnt im Warteraum (Yoritsuki), wo sich maximal fünf Teilnehmer versammeln. Der Mizuya (Wasserraum) ist der Raum, wo Geschirr, Vorräte, Wasser, Utensilien usw. aufbewahrt werden. Die japanische Teezeremonie findet im Teezimmer, dem Chashitsu, statt. Dieser Raum ist klein und niedrig und ohne Möbel, man sitzt auf Strohmatten (Tatami) am Boden. In der Mitte des Raumes befindet sich eine, in die Erde eingelassene Feuerstelle sowie die notwendigen Utensilien wie die kostbaren Keramik-Teeschalen (Chawan), die Teedose (Chaire), der Chasen (Bambusbesen), der benutzt wird, um den Pulvertee zu verrühren sowie der Bambus-Schöpflöffel (Hisaku). Alle Gegenstände bestechen durch ihre Schlichtheit und sind, wie auch der Raum und das Rollbild im Raum, durch die Teilnehmer entsprechend zu würdigen. Nachdem der Teemeister die Gäste durch eine Verbeugung begrüßt hat, beginnt die nun etwa vierstündige Teezeremonie, wo jeder Handgriff vorgeschrieben ist. Die Grundsätze der japanischen Teezeremonie sind Wa – Harmonie in der Beziehung, Kei – Respekt vor dem anderen, Sei – Reinheit im Denken und Handeln und Jaku – Gelassenheit im Umgang miteinander. Während dieser Zeit ist das Teehaus von äußeren Störungen geschlossen. Zu Beginn erhalten die Teilnehmer Kaiseki als Mahl gereicht, was komplett aufgegessen werden muss. Anschließend folgen Süßigkeiten. Nach dem ersten Teil verweilen und erholen (Nakadachi – Erholungspause) sich die Gäste im Tee-Garten bis ein Gongschlag sie, nach erneuter Reinigung von Mund und Händen, wieder in den Teeraum bittet, um am Gozairi, dem Hauptteil der Zeremonie, beizuwohnen. Der Teemeister bereitet den dickflüssigen Tee, den Koicha, der mit heißem Wasser aufgefüllt und schaumig geschlagen wird. Der eingangs benannte Ehrengast probiert, nach vorgeschriebener strenger Weise bzw. strengem Ritus, und bewundert das Getränk und die Keramikschale bis er diese, nach gründlicher Reinigung, an den nächsten Teilnehmer weiterreicht. Nachdem alle Teilnehmer vom Tee gekostet haben, erhält der Ehrengast die Teeschale, die er dann an den Teemeister übergibt. Das strenge Ritual bzw. das Gozairi endet, nachdem sich jeder Einzelne lobend geäußert hat. Zum Abschluss der Teezeremonie – Usucha – wird ein dünner Tee (Matcha) zubereitet. Jeder Gast erhält eine eigene Teeschale, in der zwei Löffel des Tees angerührt, die dann ausgetrunken werden. Erst wenn der letzte Teilnehmer seine geleerte Schale dem Teemeister übergeben hat und diese durch ihn hinausgetragen wurden, verbeugt er sich vor den Teilnehmern, was auch das Ende der japanischen Teezeremonie bedeutet. Die Gäste verbeugen sich beim Verlassen des Teehauses und bedanken sich am nächsten Tag entweder persönlich oder in schriftlicher Form beim Teemeister.
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